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Zeit für Pflege: Es kommt auf die Dosis an

27 November 2013 Kein Kommentar

Dazu sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Marret Bohn:

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren.

Pflegen heißt sich um einen Menschen kümmern. Dokumentieren heißt sich um Papiere  kümmern. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun – eigentlich. Wir alle wollen für uns und unsere Angehörigen eine gute Pflege.

Damit pflegerisches Handeln zu bestmöglichen Ergebnissen führt, muss planvoll und nachvollziehbar vorgegangen werden. Es ist gut am Ende einer Schicht festzuhalten, was erledigt ist und was nicht. Dann sieht die nächste Schicht sofort, was noch erledigt werden muss. Dokumentation in der Pflege ist nicht überflüssig. Sie ist ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung.

Aber wie immer in der Medizin kommt es auf die Dosis an. Pflegedokumentation ist kein Selbstzweck, sie ist Mittel zum Zweck. Pflegekräfte wollen Menschen helfen. Dafür sind sie ausgebildet. Ihnen liegen die Menschen am Herzen, nicht die Akten. Und das ist auch gut so – da sind wir uns sicherlich einig.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich denke, die meisten von uns kennen die Situation: Sie besuchen einen Angehörigen im Pflegeheim. Pflegekräfte eilen über die Station. Ein oder zwei sitzen im Büro. Sie beugen sich über die Akten – Pflegedokumentation. Auf der Station leuchten rote Lämpchen, lautes Klingeln ist gleich aus mehreren Zimmern zu hören. Aus einem Zimmer hört man leises Rufen.

All das, liebe Kolleginnen und Kollegen, all das sind Signale von Menschen, die etwas brauchen. Und es ist unsere politische Verantwortung, dass all diese Signale gehört werden. Das Pflegebedürftige gut versorgt werden. Und die Dokumentation auf ein vernünftiges Mindestmaß reduziert wird.

Was tun? Für uns Grüne ist ganz klar: Der Mensch geht vor, die Dokumentation muss warten. Genauer – die Anforderungen der Dokumentation müssen soweit vereinfacht werden, dass sie während der Schicht zu schaffen ist.

Dokumentation muss die Pflege stützen. Sie darf der Pflege nicht die erforderliche Zeit nehmen. Denn wir wollen ja mehr Zeit für Pflege.

Liebe Kolleginnen und Kollegen.

Der vorliegende Bericht der Landesregierung zeigt, wir haben uns auf den Weg gemacht. Das ist gut so. Aber am Ziel sind wir noch lange nicht angekommen. Mehr Zeit für Pflege – das ist das Ziel, das wir anstreben.

2006 stellte das Bundesministerium für Familie und Senioren ein hohes Maß an Fehldokumentation in der Pflege fest. Umgerechnet 1,9 Milliarden Euro fließen jährlich in das wiederholte Ausfüllen von Leistungsnachweisen.

Da wiehert der Amtsschimmel und genau das wollen wir ändern, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Von 2002 bis 2004 konnte durch das Modellprojekt „Vereinfachte Pflegeplanung“ der Dokumentationsaufwand durchschnittlich um die Hälfte gesenkt werden. Das ist ein handfester Erfolg. Darauf können wir aufbauen. Wir Grüne setzen bei Der Entlastung des Pflegenden auch auf moderne Techniken bei der Dokumentation.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Schleswig-Holstein ist bei der Pflege am Ball. Und nicht nur das, wir sind in der Offensive. Bei der Dokumentation und in anderen Bereichen:

–      Wir haben die landesgeförderten Ausbildungsplätze  in der Altenpflege von 1.200 auf 1.600  aufgestockt.

–       Wir haben die Pflegekräfte nach ihrer Meinung gefragt. Eine absolute Mehrheit der repräsentativ  Befragten wünscht sich eine Pflegekammer.

Wir werden diesen Wunsch umsetzen! Und ich freue mich auf den Tag, an dem Schleswig-Holstein als erstes Bundesland eine Pflegekammer haben wird.

Mehr Zeit für Pflege – das wünschen sich Pflegebedürftige und Pflegende. Schleswig-Holstein ist in der Pflege auf einem guten Weg. Lassen Sie uns, diesen Weg gemeinsam weiter gehen.

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