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Wir müssen unsere „kleinen Seelen“ schützen Augen auf beim Kinderschutz – das ist die einzig richtige Devise

29 Januar 2013 Kein Kommentar

In Hamburg-Wilhelmsburg ist letztes Jahr die elfjährige Chantal gestorben. Sie hatte Methadontabletten ihrer drogenabhängigen Pflegeeltern geschluckt. Im Kreis Segeberg ist letztes Jahr ein dreijähriger Junge nackt in einem völlig verdreckten Kellerraum aufgefunden worden. Das Kind war allein und einsperrt. Diese Schicksale machen mich sprachlos.

Fassungslos bin ich angesichts der Häufigkeit von Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt an Kindern. Das Schlimme ist: Fachleute sind sich darüber einig, dass diese beiden Fälle nur die Spitze eines Eisberges sind. Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt an Kindern gibt es auch heute noch. Aus traumatisierten Kindern, werden kranke Erwachsene.

Spätfolgen wie Alpträume, soziale Einschränkungen, Suchtneigung oder psychische Störungen begleiten diese Menschen lebenslang.

Das „Nationale Zentrum Frühe Hilfen“ weist nach:

– 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen erfahren psychische Gewalt

– 10 bis 15 Prozent werden körperlich misshandelt

– 100 Kinder in Deutschland kommen jährlich durch Vernachlässigung, Gewalt und tätliche Angriffe zu Tode

– Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden 2011 fast 15.000 Kinder Opfer sexueller Gewalt

Das sind unhaltbare Zustände. Kinderschutz ist nie gut genug. Wir sollten alle daran arbeiten, ihn ständig weiter zu verbessern. Kinder haben in Deutschland das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Aber was nützt Kindern ein Recht, dass Schwarz auf Weiß in Paragrafen festgehalten ist, wenn ihr echtes Leben nicht wie eins aus dem Bilderbuch ist? Wenn es geprägt ist von Angst, Verwahrlosung und Gewalt.

Und um das einmal ganz klar zu sagen: Jeder einzelne Fall von Kindesmisshandlung ist einer zu viel! Wir alle sind gefragt. Übrigens nicht nur die SozialpolitikerInnen.

Nein, ich meine wirklich uns alle. Alle müssen ihr Handeln verändern: Staat und Politik, Polizei und Gerichte, Krankenhäuser und ÄrztInnen, Kitas und Schulen, Ämter und Behörden, Vereine und Verbände, Familien, Freunde und Nachbarn.

Augen auf beim Kinderschutz – das ist die einzig richtige Devise. 2008 trat in Schleswig-Holstein das erste Kinderschutzgesetzt Deutschlands in Kraft. Unser Land wurde zum bundesweiten Vorreiter in der gesetzlichen Prävention und Intervention. Viel Beachtung fanden damals auch die Vorsorgeuntersuchungen. Genauer gesagt das verbindliche Einladungswesen. Aber das war nur ein kleiner Baustein unseres Gesetzes. Daneben gab es weitere Ansätze, die weniger Beachtung fanden: Netzwerke, Familienhebammen, Patenschaften und frühe Hilfen.

Vieles hat sich zum Besseren verändert. Trotzdem gibt immer noch viel zu tun. Das Bundeskinderschutzgesetz wird uns dabei helfen. Es knüpft an unser Landesgesetz an und spinnt die erfolgreichen Ansätze weiter. Das gilt für den Aufbau von Netzwerk, den Einsatz von Familienhebammen, den Einbezug ehrenamtlichen Engagements und die besondere Rolle von KinderärztInnen.

Jetzt bekommen wir Rückenwind vom Bund, gesetzgeberisch und finanziell. Das ist gut so. Rund eine Million Euro werden pro Jahr nach Schleswig-Holstein fließen. Damit kann man schon etwas ausrichten. Wie sich diese Mittel verteilen, kann man aus dem Haushaltsentwurf 2013 ablesen: Der weitaus größte Teil geht direkt an die Kommunen. Nur ein kleiner Teil der Gelder bleibt für übergeordnete Koordination, fachliche Beratung und Evaluation beim Land. Das ist sinnvoll und richtig.

Packen wir gemeinsam an. Gehen wir auf den beschrittenen Weg mutig weiter. Schützen wir die „kleinen Seelen“ damit sie nicht zerbrechen, sondern zu gesunden, eigenständigen und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen.

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