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Alle Pflegeberufe müssen aufgewertet werden

23 März 2011 Kein Kommentar
Landtagsrede zum Thema Berufsordnung für Pflegeberufe
Dazu sagt Marret Bohn:
Warum brauchen wir eine Berufsordnung für Pflegeberufe? Die Zahl der Pflegebedürftigen in
Schleswig-Holstein wird bis zum Jahr 2020 von derzeit 78.000 auf 104.000 steigen. Schon jetzt sind
allerdings fast 700 Stellen bei den Arbeitsagenturen als unbesetzt registriert. Prognosen gehen von
einem zusätzlichen Bedarf von 4000 examinierten Pflegekräften allein in der Altenpflege aus. Gleichzeitig
verschärft sich die Situation durch den Demografie bedingten Rückgang der vorhandenen Pflegekräfte.
Die Qualitätsdebatte in der Pflege, die Sorge um eine menschenwürdige Pflege und die Angst vor
gefährlicher Pflege nimmt kein Ende. Wir stehen also vor einer Herausforderung, was die Pflege angeht.
Was hilft uns denn da eine Berufsordnung? Eine Berufsordnung kann zur Qualitätssicherung beitragen,
indem sie Berufsaufgaben und –pflichten fest schreibt. Sie gibt damit den Berufsangehörigen eine
Orientierung und einen verbindlichen Rahmen für ihr professionelles Handeln. In Bremen wurde 2004 die
erste Berufsordnung für Pflegeberufe bundesweit verabschiedet. Sie umfasst die Gesundheits-, Krankenund
KinderkrankenpflegerInnen, lässt die Altenpflege aber außen vor. 2009 wurde in Hamburg ebenfalls
eine Berufsordnung für die Pflege verabschiedet, hier unter Einbezug der Altenpflege.
Das wollen wir Grüne auch in Schleswig-Holstein. Alle Pflegeberufe müssen aufgewertet werden. Ich bin
meiner Kollegin Birte Pauls sehr dankbar, dass sie mit ihrem Antrag einen Vorstoß in diese Richtung
unternommen hat. Im Rahmen der Befassung in den Fachausschüssen müssen wir uns jetzt detailliert
mit dem Thema befassen. Unverzichtbar ist aus Grüner Sicht, eine Berufsordnung in enger Abstimmung
mit Berufsverbänden, Ausbildungsträgern, Gewerkschaften und Pflegeinrichtungen zu entwickeln. Sie
darf nicht von oben herab durch das Ministerium vorgegeben werden.
Ein letzter Punkt liegt mir noch am Herzen. Zu einer Berufsordnung gehört die Definition von Aufgaben
und Pflichten. Hierzu gehört auch die Qualitätssicherung. Die Last der Qualitätssicherung darf nicht allein
auf die Schultern der Pflegefachkräfte gelegt werden. Arbeitgeber, Pflegeheime und ambulante
Pflegedienste beeinflussen durch die Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses die Qualität der
Pflege. Deswegen wollen wir Grüne, dass sie auch die Verantwortung mit tragen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Punkt ist mir noch besonders wichtig: Die Arbeitsbedingungen in der
Pflege. Die müssen dringend verbessert werden! Hierzu gehört ein ausreichender Personalschlüssel,
gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Bezahlung. Der aktuell geltende Mindestlohn von
8,50 Euro pro Stunde im Westen und 7,50 Euro im Osten ist nach meiner Überzeugung viel zu gering.
Wohl gemerkt gilt dieser Stundensatz nur für die Grundpflege, qualifiziertere Pflegetätigkeiten werden
zum Glück besser bezahlt. Und wenn es stimmt, dass der FDP Wirtschaftsminister Brüderle diesen
Mindestlohn wieder abschaffen möchte, dann ist das ein Schlag ins Gesicht für alle, die die diesen Beruf
ausüben.
Gut, dass Sie in Talkshows auftreten und auf die Situation in der Pflege aufmerksam machen. Noch
besser, wenn Sie es verhindern, dass der Mindestlohn wieder einkassiert wird. Wenn wir alle eine
menschenwürdige Pflege wollen, dann muss sie uns auch etwas wert sein. Liebe Kolleginnen und
Kollegen, Sie sehen: es gibt viel zu tun. Wenn uns eine Berufsordnung für die Pflege weiterhilft, sollten
wir gemeinsam die Initiative ergreifen. Ich freue mich auf die weitere Diskussion und beantrage die
weitere Beratung im Sozialausschuss.

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